Das Einheitsmenü
Mai bis Dezember 2025
Das Einheitsmenü war eine 60-minütige interaktive Performance im öffentlichen Raum, die Film, Theater und Kulinarik miteinander verband.
Ein Anhänger wurde bei Einbruch der Dämmerung zur Projektionsfläche und mobilen Bühne.
Erzählt wurde die Geschichte eines ost-westdeutschen Paares (ER aus Lübeck, SIE aus Chemnitz) und ihrer Tochter, die am 35. Jahrestag der Deutschen Einheit ein festliches Menü für ihre angereisten Schwiegereltern aus Ost und West zubereiten wollen.
Zwischen Erinnerungen, Konflikten und humorvollen Missverständnissen scheitert das geplante Menü – bis die Tochter übernimmt und einen Steckrübeneintopf kocht, ein Gericht mit Tradition in beiden Teilen Deutschlands.
Die Darsteller:innen traten immer wieder live aus dem projizierten Film heraus und bezogen das Publikum direkt in die Handlung ein.
Realität und Fiktion verschränkten sich, Identität, Teilungserfahrung und Erinnerung wurden humorvoll, niedrigschwellig und zugleich berührend verhandelt.
Zum Abschluss öffnete sich der Anhänger als Pop-Up-Restaurant. Das Publikum probierte drei Varianten des Steckrübeneintopfs: Lübecker National, Mecklenburger Wruckeneintopf, vegetarisch.
Essen wurde zum kommunikativen Raum und zur gelebten Begegnung.
Durchführung
Die Performance wurde an vier Orten präsentiert:
03.10.2025 – Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup (Tag der Deutschen Einheit)
17.10.2025 – Kleiner Fährplatz Travemünde
18.10.2025 – Bürgerhaus Falkenfeld-Vorwerk
09.11.2025 – Schrangen Lübeck (Nordische Filmtage)
Im Vorfeld führten wir rund 20 Interviews zu Esskultur, Erinnerungen und ost-westdeutscher Familiengeschichte durch.
Zudem stellten wir das Projekt in der Seniorenbegegnungsstätte des HGS, im Bürgerhaus Vorwerk-Falkenfeld, bei der Initiative Wissen macht Runde sowie in der Grenzdokumentationsstätte Schlutup vor.
Perspektiven verschiedener Generationen, Herkunftsregionen und Lebensrealitäten flossen direkt in Dramaturgie und Dialoge ein.
Erfolg und Wirkung des Projekts
1. Historisches Bewusstsein stärken
Die Performance machte deutsch-deutsche Geschichte anschaulich und emotional zugänglich. Durch die persönliche Perspektive der Familie entstand ein unmittelbarer Zugang zu einem komplexen Thema. Viele Besucher*innen berichteten, dass sie erstmals Hintergründe und Erfahrungen ihrer Eltern oder Großeltern besser verstanden.
2. Intergenerationellen Dialog fördern
Humor, Direktansprache und Live-Interaktion führten zu intensiven Gesprächen zwischen unterschiedlichen Altersgruppen. Jüngere Zuschauer:innen – ohne eigene Erfahrung der Teilung – fragten nach, während ältere Besuchende Erinnerungen beisteuerten. Viele Gespräche setzten sich lange nach der Vorstellung fort.
3. Kulinarik als Brücke erfahrbar machen
Das gemeinsame Essen im Pop-Up-Restaurant führte spontan zu neuen Gemeinschaften. Die drei Varianten des Eintopfs eröffneten Gespräche über Geschmack, Herkunft, Unterschiede und Gemeinsamkeiten – ein niedrigschwelliger Austausch über Identität, Herkunft und Alltagserfahrungen.
4. Demokratische Haltung und Vielfalt fördern
Die Performance sensibilisierte für die Wirkung von Vorurteilen sowie für ungleiche historische Entwicklungen in Ost und West. Sie stärkte eine respektvolle Streit- und Erinnerungskultur und förderte ein vielfältiges, demokratisches Miteinander im städtischen Raum.
Nachhaltigkeit
Dokumentation
Die filmische Aufzeichnung wird zeitnah auf www.urbanprojection.de veröffentlicht und ermöglicht weitere Präsentationen sowie Bildungsarbeit.
Workshops
Auf Basis der Recherchen und in Kooperation mit der Kochbuchbibliothek Lübeck kann ein kulinarisch-historisches Workshop-Konzept für Schulen entwickelt werden (Themen: Esskultur, Familiengeschichte, Erinnerung, Vorurteile).
Netzwerkbildung
Durch die Zusammenarbeit mit Kulturschaffenden, Historiker:innen, Zeitzeug:innen, der Kochbuchbibliothek, der Initiative Wissen macht Runde und der Grenzdokumentationsstätte entstand ein wachsendes Netzwerk, das bereits Folgeprojekte anstößt.
Übertragbarkeit
Das Format ist ortsunabhängig adaptierbar. Für 2026 sind Wiederaufnahmen in Wismar, Rostock, Leipzig und Halle geplant.
Kurzfazit
Das Einheitsmenü hat gezeigt, dass künstlerische Formate öffentliche Räume öffnen, Dialog ermöglichen und demokratische Aushandlungsprozesse sinnlich erlebbar machen können.
Aktionszeitraum
Mai bis Dezember 2025
Ort
Lübeck:
Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup
Kleiner Fährplatz Travemünde
Bürgerhaus Falkenfeld-Vorwerk
Schrangen Lübeck
Initiator:innen
Kollektiv UrbanProjection
Zielgruppen
Kinder, Jugendliche bis 27 Jahre, Eltern und andere Erziehungsberechtigte, Multiplikator:innen, lokal einflussreiche staatliche und zivilgesellschaftliche Akteur:innen, breite Öffentlichkeit
Teilnehmende:
• bei 4 Veranstaltungen ca. 300 Personen
• in Interviews: 20 Personen
• bei Infoveranstaltungen und Kochworkshops: ca. 60 Personen
Themenfelder
• Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit
• Gender & Antifeminismus
• Demokratisches Handeln
• Vielfalt Gestaltung und Förderung von Diversität
Typ der Einzelmaßnahme
Theaterstück
